Aus f&uumlr; die Laus

Häufigkeit und Vorkommen

Die Anzahl an Kopflausfällen scheint seit einigen Jahren in Deutschland wieder zuzunehmen, nachdem zwischen 2007 und 2014 ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen war. Die Häufigkeit von Kopflausbefall ist ein ständiges Auf und Ab und unterliegt saisonalen Schwankungen. Im Jahr 2007 lag der Verbauch an Kopflausmitteln bei rund 2,3 Millionen Packungen. Die Entwicklung von Kopflausbefall erzielte damit ihren vorläufigen Höhepunkt. Entsprechend hoch war die mediale Aufmerksamkeit. Die zunehmende Aufklärung besonders in Kindergärten und Schulen hatte zur Folge, dass Eltern stärker für das Problem sensibilisiert wurden, auch was die richtige Behandlungsstrategie betrifft.

Inzwischen ist das Thema fast vollständig aus den Medien verschwunden. Es hat den Anschein, dass damit auch das öffentliche Problembewusstsein wieder nachgelassen hat. Hinzu kommt, dass das Angebot an Kopflausmitteln deutlich zugenommen hat. Neben zugelassenen Arzneimitteln tummeln sich zahlreiche Medizinprodukte im Markt, wobei nicht für jedes Produkt die therapeutische Wirksamkeit wissenschaftlich mit guter Studienqualität und vor allem an Läusepopulationen in Deutschland sowie mit den in Deutschland gehandelten Produktformulierungen nachgewiesen wurde.

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Läuse haben nichts mit Sauberkeit zu tun

Zuletzt wurden rund 1,9 Millionen Kopflausmittel in der Apotheke verkauft. Das entspricht einer Zunahme von 6 Prozent gegenüber dem Jahr 2014. Ähnlich sieht es bei den Behandlungsfällen in der Arztpraxis aus: 700.000 Kopflausmittel wurden verordnet und damit 15 Prozent mehr als noch im Jahr 2014. Bei der Zunahme muss natürlich die Möglichkeit berücksichtigt werden, dass auf einen Patienten mehrere Behandlungsversuche entfallen können. Dafür kann es viele Gründe geben: Das eingesetzte Mittel war nicht wirksam oder es wurde nicht richtig eingesetzt. Vor allem Fehler bei der Anwendung gelten nach Experten als häufigste Ursache für wiederholten oder anhaltenden Kopflausbefall. Gerade deshalb ist Aufklärung so wichtig.

Aufklärung hat allerdings nichts mit Angstmache zu tun. Im Gegenteil. Jede Form der Panikmache würde eines der wichtigsten Aufklärungsziele gefährden: die Entstigmatisierung! Kopflausbefall hat nämlich nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun. Viele Betroffene haben Angst vor sozialer Ausgrenzung. Durch Panikmache werden diese Ängste gefördert und damit das Risiko, dass Kopflausfälle verschwiegen und nicht konsequent und offen behandelt werden. Noch einmal: Kopfläuse sind definitiv kein Hinweis auf Unsauberkeit im häuslichen Umfeld der Betroffenen. Jeder kann Läuse bekommen! Mit Sauberkeit allein kann man sie jedoch weder von sich fernhalten noch wieder loswerden.

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Saisonale Häufungen sind völlig normal

Läuse kommen immer wieder vor, mal mehr, mal weniger, und das seit Anbeginn der Menschheit. Fakt ist, dass es alljährlich nach den Sommerferien zu einer Häufung kommt. Eine wissenschaftliche Erklärung hierfür gibt es nicht. Ob die Reiselust der Deutschen mit diesem Phänomen im Bunde steht, ist ungewiss. Dafür könnte sprechen, dass in den Feriendomizilen rund um das Mittelmeer Läuse zur Hauptreisezeit besonders umtriebig sind. Wenn das Sommerklima im mediterranen Raum eine saisonale Häufung verschuldet, dann ist nicht ausgeschlossen, dass sich diese Häufung durch die Reisetätigkeit am Ende der Ferien nach Deutschland verschiebt. Saisonale Schwerpunkte sind aber nicht außergewöhnlich, sie entsprechen der normalen epidemiologischen Entwicklung.

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So alt wie die Menschheit selbst

Kopfläuse – ihr lateinischer Name lautet pediculus humanus capitis – sind so alt wie die Menschen selbst. So wurden schon auf einer 4.000 Jahre alten ägyptischen Mumie Kopfläuse und deren Eier gefunden. Auch heute sind sie noch weit verbreitet. Die persönliche Hygiene ist dabei nicht entscheidend. Auch auf makellosen Köpfen fühlen sich Läuse schnell heimisch und geborgen. Einige Experten meinen, dass Läuse sogar eher saubere Köpfe bevorzugen. Nach Schätzungen erleiden etwa 15 Prozent der Kinder zwischen 8 und 15 Jahren pro Jahr in Deutschland einen Kopflausbefall. Damit ist Kopflausbefall die zweithäufigste ansteckende Kinderkrankheit nach Husten. Aber nicht nur Kinder sind betroffen. Im Auftrag der Zeitschrift "Baby und Familie" hat die Marktforschungsgesellschaft für Konsumforschung (GfK) in einer repräsentativen Umfrage ermittelt, dass 8,6 Prozent der Frauen und 5,8 Prozent der Männer schon einmal im Erwachsenenalter Kopfläuse hatten.

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Kopfläuse sind Zeugen der Menschheitsgeschichte

Die Kopflaus hat aber auch ihr Gutes. Vor einigen Jahren leistete sie zum Beispiel einen gewichtigen Beitrag zur Erforschung der Menschheitsgeschichte. Amerikanische Wissenschaftler hatten entdeckt, dass es zwei verschiedene Arten von Kopfläusen gibt. Die eine kommt nur in den USA vor, die andere weltweit. Die Forscher vermuten, dass die amerikanische Laus ursprünglich nur homo erectus besiedelte, die weltweit vorkommende Laus dagegen homo sapiens – den modernen Menschen. Da homo erectus ausgestorben ist, seine Läuse aber bis heute in Nord- und Südamerika leben, muss es soziale Kontakte, vielleicht sogar sexuelle Beziehungen, zwischen beiden Hominiden gegeben haben. Dieses Aufeinandertreffen fand vermutlich vor 25.000 Jahren in Asien statt, von wo aus homo sapiens dann schließlich zwei Lausarten in die „Neue Welt“ mitgenommen hat. Bis zu dieser Entdeckung galten soziale Kontakte zwischen den beiden Urformen des Menschen als äußerst unwahrscheinlich.

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Elektronenmikroskopische Aufnahme

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