Aus f&uumlr; die Laus

Häufigkeit und Vorkommen

Werden bald alle in Deutschland lebenden Kinder von einer Läuse-Plage heimgesucht? Ganz sicher nicht! Für die Behauptung einer Zunahme von Kopflausbefall gibt es keine Grundlage. Im Gegenteil: Gemessen am Verbrauch von Läusemitteln scheint der Kopflausbefall in Deutschland seit einigen Jahren sogar eher rückläufig zu sein.

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Läuse haben nichts mit Sauberkeit zu tun

Tatsächlich ist die Anzahl an Verordnungen von Kopflausmitteln seit dem Jahr 2007 um 31 Prozent und der Verkauf von Kopflauspräparaten in Apotheken zur Selbstmedikation in der gleichen Zeit um 24 Prozent zurückgegangen. Und das zeigt vor allem eines, nämlich dass der richtige Umgang mit Kopflausbefall - nicht zuletzt dank umfangreicher Aufklärungsarbeit in den Kommunen - auf einem guten Weg ist. Jede Form der Panikmache würde dagegen eines der wichtigsten Aufklärungsziele gefährden: die Entstigmatisierung! Kopflausbefall hat nämlich absolut nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun. Gleichwohl haben viele Betroffene Angst vor sozialer Ausgrenzung. Durch Panikmache werden diese Ängste eher gefördert und nicht, wie es sein sollte, abgebaut. Noch einmal: Kopfläuse sind definitiv kein Hinweis auf Unsauberkeit im häuslichen Umfeld der Betroffenen. Jeder kann Läuse bekommen! Mit Sauberkeit allein kann man sie jedoch weder von sich fernhalten noch wieder loswerden.

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Saisonale Häufungen sind völlig normal

Läuse kommen immer wieder vor, mal mehr, mal weniger, und das seit Anbeginn der Menschheit. Fakt ist, dass es alljährlich nach den Sommerferien zu einer Häufung kommt. Eine wissenschaftliche Erklärung hierfür gibt es nicht. Ob die Reiselust der Deutschen mit diesem Phänomen im Bunde steht, ist ungewiss. Dafür könnte sprechen, dass in den Feriendomizilen rund um das Mittelmeer Läuse zur Hauptreisezeit besonders umtriebig sind. Wenn das Sommerklima im mediterranen Raum eine saisonale Häufung verschuldet, dann ist nicht ausgeschlossen, dass sich diese Häufung durch die Reisetätigkeit am Ende der Ferien nach Deutschland verschiebt. Saisonale Schwerpunkte sind aber nicht außergewöhnlich, sie entsprechen der normalen epidemiologischen Entwicklung.

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So alt wie die Menschheit selbst

Kopfläuse – ihr lateinischer Name lautet pediculus humanus capitis – sind so alt wie die Menschen selbst. So wurden schon auf einer 4.000 Jahre alten ägyptischen Mumie Kopfläuse und deren Eier gefunden. Auch heute sind sie noch weit verbreitet. Die persönliche Hygiene ist dabei nicht entscheidend. Auch auf makellosen Köpfen fühlen sich Läuse schnell heimisch und geborgen. Einige Experten meinen, dass Läuse sogar eher saubere Köpfe bevorzugen. Nach Schätzungen macht jedes dritte Kind bis zur Volljährigkeit mindestens einmal Bekanntschaft mit diesen unliebsamen Parasiten. Damit ist Kopflausbefall die zweithäufigste ansteckende Kinderkrankheit nach Husten. Aber nicht nur Kinder sind betroffen. Im Auftrag der Zeitschrift "Baby und Familie" hat die Marktforschungsgesellschaft für Konsumforschung (GfK) in einer repräsentativen Umfrage ermittelt, dass 8,6 Prozent der Frauen und 5,8 Prozent der Männer schon einmal im Erwachsenenalter Kopfläuse hatten.

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Kopfläuse sind Zeugen der Menschheitsgeschichte

Die Kopflaus hat aber auch ihr Gutes. Vor einigen Jahren leistete sie zum Beispiel einen gewichtigen Beitrag zur Erforschung der Menschheitsgeschichte. Amerikanische Wissenschaftler hatten entdeckt, dass es zwei verschiedene Arten von Kopfläusen gibt. Die eine kommt nur in den USA vor, die andere weltweit. Die Forscher vermuten, dass die amerikanische Laus ursprünglich nur homo erectus besiedelte, die weltweit vorkommende Laus dagegen homo sapiens – den modernen Menschen. Da homo erectus ausgestorben ist, seine Läuse aber bis heute in Nord- und Südamerika leben, muss es soziale Kontakte, vielleicht sogar sexuelle Beziehungen, zwischen beiden Hominiden gegeben haben. Dieses Aufeinandertreffen fand vermutlich vor 25.000 Jahren in Asien statt, von wo aus homo sapiens dann schließlich zwei Lausarten in die „Neue Welt“ mitgenommen hat. Bis zu dieser Entdeckung galten soziale Kontakte zwischen den beiden Urformen des Menschen als äußerst unwahrscheinlich.

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